17 Aug

Konsequent doof – Wahlkampf in Berlin

Dass die Motive auf den Wahlplakaten mit der Wirklichkeit so wenig zu tun haben, wie das Einkommen der Kandidaten mit dem von Harz IV Empfängern ist bekannt. Ein Beispiel aus dem Berliner Wahlkampf.

Ein Rätsel: An was denkt diese Frau?

Bitte wählen
a) Toll, was Sechsjährige so alles basteln.

b) Gibt es die Schutzbrille auch in farbig?

c) Irgendwie habe ich mir das größer vorgestellt.

d) Mir kommt die Antipasti vom Italiener gestern wieder hoch.

e) Hoffentlich krieg ich jetzt keinen Schlag, wenn ich da anfasse.

Egal was. Es hat auf jeden Fall nichts mit Robotik zu tun. Es ist ein Pakatmotiv der SPD für den aktuellen Wahlkampf. Was mich ärgert, ist die Tatsache, dass Parteien immer noch glauben, die Bürger ließen sich durch platte Sprüche und vollkommen unrealistische Motive beeindrucken. Klar ist Berlin ideenreich. Wie wäre es mit einem Fahrradtaxi, einer Bauchladen-Currywurstbude, dem Badeschiff in der Spree oder der Skateparade. Ein Tipp: Es wählen immer weniger Menschen. Und die, die noch wählen gehen, wissen was sie tun.

Nicht viel glaubwürdiger ist auch das Motiv von Friedbert Pflüger. Dieser Verschnitt zwischen Onkel Dittmeyer und Herr Kaiser von der Hamburg Manheimer schaut uns milde lächelnd von einem Plakat herab an. Dahinter sieht man drei Menschen auf einer Großbaustelle. Alle drei sind schnike und sauber. Der Ältere ist vom Typ Malborow Cowboy, während der Jüngere wie George Bush die Ärmel aufgekrempelt hat. Davor steht eine Tante im Zweireiher und fuchtelt bedeutungsvoll mit einem Zollstock. Nur Herr Pflüger hat mit der Szene nichts zu tun. Es ist eine Fotomontage.

Der Hammer ist jedoch die Tatsache, dass Herr Pfüger in seinem Leben nicht einen Tag wirklich gearbeitet hat. Denn der promovierte Politologe ist direkt nach dem Studium in die Politik gegangen. Seit 1990 lebte er glücklich von seinen Bundestagsdiäten, bis er dann Nov. 2005 Staatssekretär im Verteidigungsministerium wurde. Noch ein Detail lässt ihn als Bürgermeister Berlins ungeeignet erscheinen. Er war einer der glühensten Verfechter gegen den Umzug von Bonn nach Berlin. Und wenn er könnte, würde er immer noch in seinem miefigen Bonn wohnen.