02 Jan

Der Google-Duden – Wahrheit als Mehrheitskonsenz

Eine kurze Diskussion am Rande einer Veranstaltung der Bundeszentrale für Politische Bildung mit einem Professor hat es mir vor Augen geführt. Wikipedia ist „Bähhh“. Das ist zumindest die einhellige Meinung der wissenschaftlichen Elite in Deutschland.

Der junge Wissenschaftler ging sogar noch weiter. Er hielt „Wikipedia“ für gefährlich. Schließlich könnte dort jeder Unsinn schreiben. Und dieser Quatsch bekäme über die Dissertationen und wissenschaftlichen Arbeiten den Status von Wahrheit.

Nun Mal ehrlich: Gerade im sozialwissenschaftlichen Bereich wird das Rad nicht neu erfunden. Alle paar Jahre mixen kluge Köpfe bekannte Theorien zu einer neuen Wahrheit. Der Rest schreibt untereinander ab und vergleicht in unzähligen Studien eine immer größer werdende Zahl von Thesen und Theorien untereinander. Auch nach den bescheidenen Ergebnissen der Expertenkommissionen von Hartz und Rührup sollte man den Beitrag, den die Wissenschaft für unsere Gesellschaft spielt, etwas nüchterner sehen.

Im Vergleich zum manchen „wissenschaftlichen“ Publikationen sind die Beiträge in Wikipdia meist tausendfach rezensiert und richtig. Zumindest mein Beitrag über die Pinguine im Roten Meer hatte in Wikipedia keinen Bestand. Dabei konnte ich glaubhaft nachweisen, warum sie im Mittelalter ausgestorben sind. Wahr sollte vielmehr sein, was die Mehrheit denkt, meint und fühlt. Ein Beispiel für die neue Wahrheit ist der Google-Duden. Sie sind sich nicht sicher, wie ein Wort geschrieben wird. Geben Sie das Wort in seinen verschiedenen Variationen in die Suchzeile. Das Ergebnis mit den meisten Treffern ist richtig!

Wer Ironie findet, darf sie behalten!