07 Sep

Computerspiele – Eine Chance für die Zukunft?

"Es sind immer die Geistreichsten,
welche die Spiele erfinden und die Dümmsten, die sie am besten spielen." Gottfried Wilhelm Leibnitz (1646 – 1716)

\"*\"Die Veränderungen in unserem Alltag
und die Anforderungen im Berufsleben fordern von uns lebenslanges
Lernen. Eigentlich bräuchten wir dafür eine neue
Lernkultur, die geprägt ist durch Selbstorganisation,
Ausdifferenzierung und Individualisierung. Leider hat sich unser
Schulsystem in den letzten Jahren eher in Richtung 19. Jahrhundert
entwickelt. Eine bayrische Gymnasiallehrerin erzählte mir, der
Lehrplan wäre so voll, dass freier Unterricht oder Projekte
nicht möglich seien. Die Schüler hätten sonnst keine
Chance mehr ihren Stoff zu schaffen.

Seit längerer Zeit werbe ich in
Workshops und Vorträgen dafür auch spielerische
Lernprogramme und schnöde Computerspiele im Unterricht
einzusetzen. Meines Erachtens haben Computerspiele, wenn sie richtig
eingesetzt werden, entscheidende Vorteile. Im Folgenden möchte
ich einige Beispiele bzw. Argumente liefern. Vorab ein wenig Theorie.

Kompetenz ist das Schlüsselwort

Die modernen Lerntheorien gehen davon
aus, dass Lernen der Erwerb von Erfahrungen und deren Vernetzung mit
vorhandenen Mustern ist. Das ist der natürliche Lernprozess. Je
nach Form der Interaktion kann man zwischen vier verschiedenen Formen
des Lernens mit Computerspielen unterscheiden.

  • Entdeckendes Lernen – der Mensch
    hat die Initiative und das Programm weckt das Interesse
  • Lernen durch Einfühlen – der
    Computer reagiert unmittelbar auf alle Aktionen und gibt eine
    kontinuierliche Rückmeldung
  • Geführtes Lernen – der
    Computer fragt und der Mensch antwortet
  • Lernen durch Reiz und Reaktion
    der Computer bestimmt über Zeitdruck den Ablauf

Das entdeckende Lernen und das Lernen
durch Einfühlen (emotionales Lernen) kommt dem natürlichen Lernprozess entgegen.
Aber auch die anderen Lernformen sind hilfreich, wenn man zum
Beispiel motorische Abläufe schulen oder Inhalte auswendig
lernen muss.

Mit Spielen lernen

Jedes Spiel hat einen Lerneffekt. Für
ein Projekt des Fördervereins für Jugend- und Sozialarbeit
Berlin (fjs eV.) habe ich im letzten Jahr Ideen entwickelt,
wie Computerspiele an verschiedenen Lernorten eingesetzt werden
können. Um das Lernziel zu erfassen, sind sechs Lernkategorien
entstanden.\"*\"

  • Lernen und Verstehen
    (Lernprogramme, Nachschlagewerke)
  • Strategien entwickeln und erproben
    (Simulationen, E-Strategie)
  • Konzentration und Entspannung
    fördern
    (Solitairprogramme)
  • Gestalten lernen (3D,
    Kreativprogramme)
  • Motorik schulen (Activity Games)
  • Gemeinsamkeit erfahren
    (Adventures, Rollenspiele)

\"*\"Herausgekommen ist eine Matrix mit fast
40 Vorschlägen in Kita, Grundschule, Schule und Beruf. Hier fünf
Beispiele im PDF-Format als Anregung.

  1. Point and Klick-Adventures sind
    prima Gruppenaufgaben, die soziale Prozesse in Gruppen fördern
    und spielerisch Fremdsprachen vermitteln können.
  2. Zoo Tycoon ist ein schönes
    Beispiel für entdeckendes und emotionales Lernen mit
    Computerspielen.
  3. Mit dem Nickelodeon Cartoonstudio
    können Kinder autonom kleine Filme drehen und so kritisches
    Medienverständnis entwickeln.
  4. Der Flugsimulator hat mittlerweile
    Details fast jeder größeren Stadt gespeichert. Schüler
    bekommen hierdurch eine Vorstellung von geografischen und räumlichen
    Gegebenheiten.
  5. Die Siedler TNG schulen
    strategische Kompetenzen und vermitteln Verständnis für
    Wirkkreisläufe.

Die vollständige Liste findet sich
unter www.helliwood.de. Gerne
sende ich sie auch per Email zu.

Einige grundsätzliche Dinge
sollten jedoch beachtet werden.

  • Das Spiel ist nur Werkzeug. Eine
    Vor- und Nachbereitung ist notwendig.
  • Die Schüler müssen in
    Gruppen arbeiten.
  • Das Ziel muss vorher klar sein.
    (z.B. fliegt über fünf Landeshauptstätte)
  • Damit Flow entstehen kann, sollte
    ausreichend Zeit und Ruhe gegeben sein.

Durch Spiele lernen\"*\"

Spiele können nicht nur als
sporadisches Werkzeug dienen, sondern durch ihre spezifischen
Eigenschaften auch gezielt Prozesse steuern.

Beispiele:

  • Serious Games fördern soziale
    und politische Erkenntnisprozesse
  • Spielerische Simulationen helfen
    bei der Ausbildung von Piloten, Ärzten und Soldaten
  • Computerspiele unterstützen
    die Therapie von MCD und psychischen Störungen
  • Computerspiele beugen Demenz vor

Über Spiele lernen

Computerspiele bereichern auch jenseits
vom Spielkontext unsere Kultur und bieten neue Felder für die
Forschung.

Beispiele:

  • Spiele müssen komplexeste
    Abläufe über ein interaktives Interface virtuell steuerbar
    machen (game based interfaces)
  • Spiele benutzen neue narrative
    Elemente und eine eigene Ästhetik
  • Gute Spiele schaffen enorme
    Motivation durch geschickte interaktive Rückkopplung auf den
    Spieler (Flow)

Weiterführende Informationen:

Wirkung virtueller Welten an der FH
Köln http://www.f01.fh-koeln.de/wvw/
Die neue Intelligenz –
Warum wir durch Computerspiele und TV klüger werden
, Steven Johnson: Kiepenheuer
& Witsch; Auflage: 1 (April 2006), ISBN 3462036637

02 Sep

DVD::RIP – Das Schweizer Messer unter den DVD-Kopierern

Vor kurzem stand ich vor einem besonderen Problem. Eine DVD mit Mitschnitten eines PS2-Spiels sollte geschnitten und in ein passendes AVI umgerechnet werden. Leider hatte der DVD-Recorder nicht nur einen unschönen Rahmen um das Bild gemacht, sondern auch eine nicht konforme DVD geschrieben. Alle Versuche den Film nach Premiere zu bekommen scheiterten.

Für Windows gibt es das Programm Virtualdub, das ich aber für etwas unübersichtlich und nicht fehlerfrei halte. In meinem Fall hat es leider nicht funktioniert. Die kommerziellen Ripper sind hingegen alle viel zu unflexibel.

DVD:RIP\"*\"

Erst das Programm DVD:RIP von Jörn Reder hat wirklich funktioniert. DVD::RIP basiert auf Perl und GTK und benutzt externe Programm zum Transkodieren. Dadurch läuft es auch nur unter Liunx. Die Bedienung ist denkbar einfach und die Installation unter Ubuntu ein Kinderspiel. Das Programmfenster besteht aus sechs Tabs (Dialogen), die chronologisch für einen Ripvorgang angeordnet sind. Vorab sollte man aber noch den Arbeitsordner für DVD:RIP bestimmen und Mplayer bzw. Xine für die Voransicht installieren.

Nach der Auswahl des DVD-Laufwerks bestimmt man die Tracks (Abschnitte), die transcodiert werden sollen. Wahlweise können die Tracks vor dem Umwandeln auf die Platte kopiert werden. DVD::RIP legt dafür extra Verzeichnisse an.
\"*\"

Im nächsten Schritt wird festgelegt, auf welche Größe das Endformat skaliert werden soll. Dabei kann auch der Beschnitt bestimmt werden, über den zum Beispiel schwarze Ränder verschwinden. Ein Doppelklick auf das Vorschaubild öffnet das Originalbild, auf dem die Beschnittmarken bequem mit der Maus verschoben werden können.

Sofern man keine Untertitel braucht kann man danach direkt zum "Transkodieren" Dialog wechseln. Keine Panik. Dieser Dialog wirkt nur auf den ersten Blick verwirrend. Da er sehr logisch aufgebaut ist, kommt man schnell damit zurecht. Hauptsächlich wählt man hier das Containerfomat, die Audio- und Videocodecs und die gewünschte Bitrate, die maßgeblich für die Endgröße des Films bzw. die Qualität der Codierung ist. Wahlweise kann man sich diese über die gewünschte Größe berechnen lassen. Zur Verfügung stehen verschiedene Codecs von MPEG2 über MPEG4 bis zur freien DIVX-Variante XVID. Zusätzlich können verschiedene Deinterlace-Varianten und Videofilter gewählt werden. Auf der Homepage von DVD::RIP gibt es eine gute Anleitung auf englisch.
\"*\"
Den eigentlichen Umwandlungvorgang, der durchaus ein paar Stunden (oder Tage) in Anspruch nimmt, kann man auf zwei verschiedene Arten durchführen. Entweder direkt im Programm oder als Job in einem Serversystem. DVD::RIP besitzt nämlich einen clusterfähigen Server, über den mehrere Rechner gleichzeitig an der Umwandlung arbeiten können. Wie bei professionellen Renderfarmen steuert ein zentraler Server die Verteilung der Jobs auf die Rechner im Verbund. Dadurch wird vielleicht am deutlichsten, dass DVD:RIP in einer anderen Liga spielt.

>> Homepage von DVD::RIP

Hinweis: Die Benutzung des Programms kann in einigen Fällen illegal sein. Seitdem die Copright-Lobby quasi Jeden kriminalisiert, der seine Filme aus der Hülle nimmt, sind natürlich auch Kopien für tragbare Videoplayer illegal. Dank Schäuble wird der Versuch wahrscheinlich in Zukunft zu einer automatisierten Anzeige führen. Der Bundestrojaner macht es möglich.


KINO

\"*\"Einfache Videoeditoren zum Nachbereiten und Betiteln sind unter Linux Mangelware. Dabei gibt es zum Beispiel mit Cinelerra (http://cvs.cinelerra.org) ein Programm, das 6-Kanal HD-Videos in Profiqualität bearbeiten kann. Allerdings könnte man als einfacher Videoamateur auch gleich Strauß Blumen mit einem 20-Tonner versenden. Einzige Alternative ist das KDE-Programm KINO, das einen ausgereiften Eindruck macht. Eine einfache DV-Anbindung und alle Notwendigen Funktionen zum Betiteln und Überblenden sind vorhanden. Wen man sich daran gewöhnt hat, das KINO statt der üblichen horizontalen Timeline die Szenen in einer vertikalen Liste präsentiert, lassen sich kleine Projekte in Rekordzeit erstellen.