23 Mrz

Killerspiele – Fakten und Fragen

Nach dem Amoklauf von Winnenden
berichteten die Medien, der Täter hätte sei Fan von Horrorfilmen
gewesen. In Wirklichkeit wurden aber nur einige
DVDs gefunden. Wie 99% aller männlichen Altersgenossen hatte er auch
einen PC, auf dem neben Autorennspielen auch EgoShooter installiert
waren.

Mein erster Gedanke war: „Jetzt geht
das wieder los“. Und tatsächlich! Die nicht abreißende Kakafonie
von Politikern und Pseudo-Wissenschaftlern wie dem Kriminologen
Pfeiffer lässt mich wider mal am Verstand der Republik zweifeln.

  • Fakt 1: Killerspiele sind bereits
    seit langem verboten. Fast alle Spiele, die hier erst ab 18
    freigegeben sind, müssen hinsichtlich der Gewaltadarstellung
    angepasst werden, damit sie hier überhaupt verkauft werden dürfen.

  • Fakt 2: Das Jugendschutzgesetz
    wurde nach dem Amoklauf 2003 erheblich verschärft. Es war bereits
    vorher eines der rigidesten Gesetze der Welt.

  • Fakt 3: In allen Fällen von
    Amokläufen sind die Jugendlichen über ihre Eltern an die Waffen
    gekommen. Häufig haben die Eltern die Schusswaffenübungen sogar
    unterstützt.

  • Fakt 4: Die Jugendlichen (seit
    Columbine) waren in allen Fällen Außenseiter, die mit den
    Anforderungen ihrer bürgerlichen Umwelt nicht zurecht kamen. Ihr
    Medienkonsum war in keinem Fall exzessiv und die Affinität zu
    bestimmten gewaltbetonten Medien eindeutig Symthom und nicht
    Ursache.

Trotz der Fakten. Medien, wie
Spießbürger applaudieren, wenn Innenminister in einem Atemzug eine
Verschärfung der Waffengesetze ablehnen und gleichzeitig vor dem
Schund in den Medien warnen.

*Vier Fragen:

  1. Der Vater von zwei Jugendlichen
    hat über 4000 Schuss Munition und eine großkalibrige
    Handfeuerwaffe unabgeschlossen im Haus. Seinem Sohn hat er im Keller
    eine Schießanlage eingerichtet. Laut Gesetz hat er gerade mal eine
    Ordnungswidrigkeit begangen. Brauchen wir wirklich kein
    schärferes Waffengesetz?

  2. Zur Ausübung des Schießsports
    brauche ich keine tödliche Munition. Für die Selbstverteidigung
    gibt es auch Alternativen. Selbst dann: Sollte der Besitz nicht
    auf 1 Magazin beschränkt sein?

  3. Dient die Diskussion um
    Killerspiele nicht einfach dazu, die Verantwortung auf Jugendliche
    und ihr Medienkonsumverhalten abzuschieben? Dadurch werden fast alle
    Jugendlichen als potentielle Amokläufer enttarnt. Was ist mit dem
    Gewaltmonopol des Staates? Werden sie nicht erst beim Bund zum
    Töten ausgebildet?

  4. Wenn Politiker (insbes. aus
    Süddeutschland) am Wochenende zum Halali blasen und bei ihren
    Treibjagden dutzendweise wehrlose Tiere über den Haufen schießen.
    Sind das nicht die echten Killerspieler?

Wie offensichtlicher muss es noch
werden? Das Gefasel von „Killerspielen“ (Definition bitte) kann
angesichts der Tatsachen nur als billige Ausrede aus der unteren
rhetorischen Schublade gelten. Unabhängig von meinem Zorn über die
billige Debatte lehne ich Spiele, die vordergründig mit Gewalt
kokettieren, natürlich auch ab.

Siehe auch: